Von der Liebe I
"... wenn er sich so in den Stunden des Alleinseins mit ihr beschäftigte, tauchte ihr Bild nur unter vielen anderen Frauenbildern in seinen romantischen Träumereien auf; aber wenn durch irgendwelche Umstände (oder vielleicht auch ohne das, denn Umstände, die sich in dem Augenblick einstellen, wo ein bis dahin latenter Zustand offen zutage tritt, können ihn ja in keiner Weise beeinflusst haben) das Bild von [ihr] schliesslich seine Träumereien beherrschte und diese von dem Gedanken an sie nicht mehr zu trennen waren, hatte die Unvollkommenheit ihres Körpers keine Bedeutung mehr, überhaupt die Frage nicht, ob er mehr oder weniger als ein anderer Swanns Geschmack entsprach, da er ja als der Körper derjenigen, die er liebte, von nun an als einziger imstande sein würde, ihm Lust oder Qual zu bereiten."
Marcel Proust. Eine Liebe von Swann
Marcel Proust. Eine Liebe von Swann
chaetzle - 17. Sep, 22:12


