Arme Raucher...

Heute früh hat ein junges befreundetes Pärchen bei mir einen Termin zur Raucherentwöhnung. Sie wollen dieses Jahr heiraten, und möchten demnächst auch ein Kind, daher die Umstellung.
Vor dem Termin erwarte ich mind. 12 Stunden Rauchfreiheit. Zum einen, um zu testen, ob die Leute diese Abstinenz packen, zum anderen wegen der Ohrakupunktur- die Punkte (meist psychogene Punkte) sprechen nur gut an, wenn jemand schon ein wenig auf Entzug ist.
Als ich nun gerade in die Praxis wackeln wollte, klingelt das Telefon:
"Duuhu?!"
"Jaaha?!!! Was gibt´s N.?" ( ;-)) ich ahnte schon, was da kommen würde)
"Ich glaube, das mit dem Termin heute müssen wir verschieben.."
"Ach, warum denn?"
"Ich habe heute morgen eine geraucht. Nur vier Züge, aber ich habe geraucht. Wir haben, wie du gesagt hast, alle Zigaretten aus dem Haus entfernt, aber T. hat welche im Auto vergessen, und als ich heute früh auf den Markt bin, habe ich sie gefunden.. Ich konnte mich nicht beherrschen."

Ja, so sind sie, die armen Raucher. Unter der Knute der Sucht.
creature - 12. Jan, 08:54

unter der knute der zigarette oder unter der knute von chaetzle, wo ist da der unterschied? ;o

chaetzle - 12. Jan, 09:13

naja, ich weiss nicht, ob ich sooo süchtig mache wie Nikotin. ;-)
ich mache keinen Lungenkrebs. Ich verenge keine Adern, ich mache keine chronische Bronchitis.
Ich mache höchstens mal weh. Aber was ist so ein einmaliger kurzer Schmerz schon?
books and more - 12. Jan, 09:21

Die haben wahrscheinlich die Blutbilder gesehen und ihr Unbewusstes hat das dann so gedeichselt, dass sie leider doch nicht kommen konnten ... ;-)
chaetzle - 12. Jan, 09:30

nö, nö. Die kommen schon länger zu mir. Die kennen meine Foltermethoden, und wissen, dass sie helfen. ;-)
Das war eher der fehlende Wille.. Und ohne den gehts nunmal nicht.
Ich habe eine Patientin, die sollte, auf anraten ihres Hausarztes aufhören, zu rauchen, da sie kurz vor einem Speiseröhrenkrebs steht. Als ich ihr mein Raucherentwöhnungs-Programm erklärt hatte, und sie einen Termin ausmachen wollte, fragte sie: " Ja, wenn ich dann die Ohrnadeln habe, und alles, kann ich dann heim gehen, und wieder rauchen?"
Ich dachte, ich höre nicht richtig. Null Motivation, null Wille.
So funktioniert das nie.
LadyEilan - 12. Jan, 12:05

Ich versteh die Raucherei eh nicht.
Hab noch nie in meinem Leben an ner Zigarette gezogen und dabei werde ich es auch belassen. Mich so einer Sucht hinzugeben seh ich gar nicht ein!

wvs - 12. Jan, 13:29

Solange ....

es eine freiwillige Entscheidung ist sehe ich keine Notwendigkeit das Rauchen zu verbieten oder Jemandem, der raucht, Vorhaltungen zu machen .... wenn erst einmal mit "Vorschriften" und "Einschränkungen" angefangen wird ufert das - erfahrungsgemäß - aus und wird auf andere Lebensbereiche ausgedehnt.

Dazu folgendes Beispiel:
Jedes Jahr stürzen hunderte von Urlaubern in den Bergen zu Tode - und niemand kommt (bisher!) auf die Idee, das Bergwandern, geschweige denn das Bergsteigen zu verbieten ....
Oder:
Durch Verkehrsunfälle sterben jedes Jahr tausende Menschen - und niemand kommt (bisher!) auf die Idee, das Autofahren zu verbieten .... auch alle Versuche das Fahren unter Alkohol einzudämmen sind eher halbherzig - wer erwischt wird hat halt Pech, zu Viele kommen ohne Sanktionen davon ....

Es ist also lediglich eine Frage der persönlichen Vorlieben, was als "Gefahr" oder auch "Gefahr für die Allgemeinheit" eingestuft wird!

Wenn es aber soweit kommt, daß ein Denunziantentum gefördert wird, dann ist für mich die Grenze des Erträglichen überschritten.

Außerdem:
Durch Kampagnen gegen das Rauchen wird von drängenden, oft wichtigeren Problemen geschickt abgelenkt: Das zeigt z.B. die auf wundersame Weise im Hintergrund verschwundene Diskussion um die Totalüberwachng im Internet und - sieht man sich einmal genau um - im 'öffentlichen Raum' .... Kameras wohin man schaut, Pläne zur Identifizierung von Individuen durch Chips, wie sie bei Hunden und Katzen eingesetzt werden, die Einführung einer Identifikationsnummer (getarnt als Steuernummer!) - welche Folgen das hat kann man in U.S.A. bereits beobachten .... und wohin das am Ende führt kann man in "1984" nachlesen .... wir sind auf dem besten Wege dorthin, nur sind die Schritte so klein, daß niemand Verdacht schöpft ....

Ganz ehrlich: Bevor ich die Raucher zum Nichtrauchen bekehren möchte will ich lieber die Entwicklung zum totalitären Überwachungsstaat verhindern .... aber ich bin ja auch kein Fanatiker.

theswiss - 12. Jan, 13:44

Thema verfehlt. Es geht hier darum, den Leuten zu helfen, die eigentlich von ihrer Sucht abkommen wollen und es nicht mal schaffen, den ersten Schritt zu tun.
wvs - 12. Jan, 13:50

Ach, ....

sind wir hier im Deutschunterricht, Herr theswiss?

Ich nehme aber gern ihre Einschränkung zur Kenntnis .... sie ist der beste Beweis für meine These, daß es Menschen gibt, die glauben einzig im Besitz der Wahrheit zu sein - und deswegen nur starr in eine Richtung denken .... wenn Ihnen das reicht ....
theswiss - 12. Jan, 13:58

Stimmt. Die klassische Reaktion der armen Raucher, die sich sofort bei jeder Gelegenheit auf den Schlips getreten und verfolgt fühlen. Dann mal schön ablenken und auf irgendwas anderes zeigen - Ueberwachung, Luftverschmutzung, etc.
Fakt ist, diejenigen Raucher, die ihr Leben ändern wollen, es aber alleine nicht schaffen, die brauchen Hilfe. Darum ging es, um nichts anderes.
wvs - 12. Jan, 14:02

Verstehe ...:

Sie sind hier als "Oberthemenbeaufsichtigungswart", nicht Deutschlehrer engagiert.
theswiss - 12. Jan, 14:05

Ich finde einfach, die 'Antwort' hat nichts mit dem Beitrag zu tun. Und wie immer ist die Diskussion ziemlich sinnlos, wenn einer nicht zuhören will. Ich wünsche ein schönes Leben.
chaetzle - 12. Jan, 14:51

Lieber Herr wvs!
ich hoffe, Sie haben den ext nicht missverstanden?! Ich habe damit niemanden angegriffen.
Ich verbiete niemandem etwas. Wie komme ich dazu?! Von mir aus könnten alle Arten von Drogen legalisiert werden.
Meine Mutter raucht auch, deswegen diskriminiere ich sie aber nicht. Zu mir kommen Menschen, die sich Unterstützung auf dem Weg zum Nichtraucher erhoffen. Freiwillig. Aus eigenem Entschluss. Ich ziehe niemanden an den Haaren in meine Praxis, oder behandle ihn gegen den eigenen Willen.
Dass in D einiges schief läuft (u.a. ihr beispiele) wollen eben viele nicht wahrhaben. Deswegen wird auch nie jemand auf die Idee kommen, etwas dagegen zu unternehmen. Dafür ist der Staat auch schlau genug, seine "Projekte" hintenrum durchzuführen, und die Bürger verdummen zu lassen.
creature - 12. Jan, 15:03

gute antwort, chaetzle.
wvs hat natürlich auch recht, das mit dem "nichtraucherschutz" wird dermaßen aufgeblasen das es schon peinlich ist, und ich? ja, ich rauche gerne ab und zu eine, und nun erst recht wegen dem theater ;)

und wenn ich mal genug davon habe besuch ich dich und lass mich pieksen und bitte, sei ganz streng zu mir!
Blabbermouth (anonym) - 12. Jan, 15:58

Ich rauche seit 15 Jahren - mit ein paar kurzen Pausen dazwischen. ICH freue mich auf die Rauchverbote bei uns in Deutschland, die dieses Jahr in Kraft treten. Selbstverständlich habe ich noch nie ein Problem damit gehabt, auf Nichtraucher Rücksicht zu nehmen, erst Recht wenn Kinder in der Nähe sind. Aber ich für mich alleine bin zu schwach, ich brauche das Verbot. Das ist traurig, aber wahr.

Andererseits liebe ich es, wenn ich im Sommer abends auf dem Balkon sitze, mein Glas Wein trinke und dazu einen Cognac-dipped Cigarillo genieße. Ist ein doofes Thema mit zig Ansichten, die sich nicht vereinen lassen - aber um auf den Bericht zurückzukommen: wenn die eigene Überzeugung, aufhören zu wollen nicht wirklich vorhanden ist, dann wird das nix. Man muss es wirklich wollen.

wvs - 12. Jan, 18:07

@ chaetzle

Ich habe schon das Zwinkern zwischen den Zeilen erkannt, das wohl ausdrücken sollte: Alles halb so schlimm!

Ich wollte in diesem Zusammenhang lediglich darauf hinweisen, daß es drängendere Probleme bei uns gibt als das Rauchen - wäre der Staat wirklich 'demokratisch', dann gäbe es keine Ächtung irgendeiner Gruppe für irgendetwas ....

twoblogs - 13. Jan, 20:20

Rauchen ist Körperverletzung.

Da nützt keine Zwinkern. So einfach ist das. Und zwar im doppelten Sinn: Raucher verletzen sich selbst und alle anderen, die mit ihnen im Raum sind. Es gibt also nur eine einzige Lösung: die Raucher von den Nichtrauchern zu trennen, und zwar an allen öffentlichen Orten (Amtsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Bahnhöfen usw.). Da und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln und natürlich auch an allen Arbeitsplätzen sollte ein generelles Rauchverbot herrschen. Das sollte auch für alle Autofahrerinnen und Autofahrer gelten.
Meine früheren Kolleginnen haben alle geraucht. Sie haben sich gewundert, dass ich mich zurückgezogen habe, also immer unwilliger wurde, sie in den Arbeitspausen zu treffen oder mit ihnen essen zu gehen. Warum? Sie haben mich das oft gefragt. Ich habe immer dasselbe geantwortet: Unabhängig vom längerfristigen Schaden des Passivrauchens kriege ich nach einer Minute Kopfschmerzen. Warum soll ich mir den Kontakt mit euch mit Kopfschmerzen erkaufen? Ihre Antwort: Wenn du bei uns bist, rauchen wir nicht mehr. Aber der gemeinsame Raum war schon vom frühen Morgen an raucherfüllt. Ein anderes Versprechen: Ich höre mit dem Rauchen ab morgen auf. Bei manchen gings 3 Tage, bei manchen eine Woche ohne Zigarette, dann nicht mehr. Alle sind Raucherinnen geblieben.
Raucher sind also Kranke, denen jede Hilfe angeboten werden muss. Deshalb begrüsse ich Ihr Angebot zur Raucherentwöhnung mittels Akupunktur!

wvs - 14. Jan, 14:48

@ twoblogs

Lesen Sie doch 'mal was HIER und DORT steht .... das macht mir sehr viel mehr Angst als Raucher ....

Ich muß mich ja nicht zwischen Rauchern aufhalten, das haben Sie ja sehr ausführlich dargestellt ...!
________
Nachtrag:
Ich bin über 60, Raucher, esse nur Butter, trinke am Tag gut 2 Ltr. Kaffee, nehme nicht ein Medikament, habe einen völlig normalen Blutdruck und mein Herz / meine Lunge werden jährlich einmal - bisher ohne positiven Befund - untersucht ....

Ich kenne aber Menschen, die sich seit Jahren nur von Körnern und gesunder Bio-Kost ernährt haben, täglich 6-7 km gejoggt haben und regelmäßig vor 22h im Bett sind - und jetzt mit Speiseröhrenkrebs einem jämmerlichen Ende entgegensehen bzw. einen vierfachen Bypass bekommen haben .... alles nur Ausnahmen?

twoblogs - 15. Jan, 19:56

Ich habe HIER und DORT gelesen, lieber wvs – und bin erstaunt über Ihre Affirmation zum Thema Ausweitung der Kampfzone in Richtung Faschismus, wenn es darum geht, das Grundrecht der Nichtraucher auf Schutz vor Körperverletzung durch Raucher wahren zu wollen. Anscheinend galten dem Staat bisher Profit und Steuereinnahmen mehr als die Gesundheit.
Zu Ihrem Nachtrag, in dem Sie sich ja selbst als noch gesunden älteren Raucher bezeichnen: 1. betrachte ich Erkrankungen aus einem multikausalen Blickwinkel; 2. was sagen Einzelschicksale? Mein Grossvater war bis in Ihr Alter ein starker Raucher. Von einem Tag auf den andern hat er beschlossen, seine letzte Zigarette zu rauchen, und danach nie wieder geraucht. Er hat noch 27 Jahre gelebt. Ob das das Nichtrauchen bewirkt hat, wage ich nicht zu sagen.
wvs - 16. Jan, 02:55

Nur ganz kurz: ....

zu 1.
Wenn multikausal zutrifft - warum haben dann Nichtraucher so tierische Angst vor ein wenig Rauch?
Ich gehe ja z.B. auch in den Wald, obwohl dort Zecken lauern ....

zu 2.
Statistik - also weg vom Individuum, hin zur Masse - wird immer dann als "sinvoll" erachtet, wenn empirische Daten das Gegenteil von dem ausdrücken, was man gern als Ergebnis gesehen hätte .... ich hatte das zweifelhafte Vergnügen zwei Semester lang Statistik 'erlernen' zu müssen ....
bartagamenfreak - 14. Jan, 20:04

Tja!

Meine Mutter war Kettenraucherin hat es aber geschaft, nach mehreren Versuchen, im September 2006 endlich(!!!) damit aufgehört. Manche Schaffen es Andere scheitern(wie meine Mutter auch mehrere Male) eben.

wvs - 17. Jan, 18:43

Noch ein Nachtrag ....

Zu den Gefahren des Rauchens wird ja in vielfältiger Weise Stellung genommen - nicht immer aber werden dabei auch wissenschaftliche Fakten korrekt interpretiert .... manche Nikotingegner gehen sogar soweit die Erkenntnisse wissentlich zu verfälschen!

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